Vitamin B7, auch als Vitamin H bezeichnet, ist in Deutschland vor allem als Biotin und als „Schönheitsvitamin“ bekannt. Das wasserlösliche Vitamin aus dem B-Komplex nimmt im menschlichen Stoffwechsel eine zentrale Querschnittsaufgabe wahr und beeinflusst vor allem den Fett- und Eiweißstoffwechsel. Außerdem steuert Biotin die Umsetzung der im Erbgut gespeicherten Informationen.

Studien über Biotin

Die Kosmetikindustrie bietet biotinhaltige Nahrungsergänzungsmittel und Cremes vor allem aufgrund ihrer Schutzfunktion von Haut, Haaren und Nägeln an. Wissenschaftlich war diese Wirkung lange umstritten. Unabhängig durchgeführte Studien konnten in den letzten Jahren jedoch belegen, dass Biotin sich tatsächlich positiv auf das Aussehen des Menschen auswirkt und darüber hinaus sogar Potenzial zur Behandlung von Diabetes Typ 2, Multiple Sklerose und Allergien zeigt.

Metastudie über Biotin gegen Haarverlust

Wissenschaftler des Children’s Hospital of Philadelphia haben 2017 im Fachmagazin Skin Appendage Disorders eine Metastudie veröffentlicht, die sich mit der Wirkung von Biotin auf Haare, Nägel und das Hautbild beschäftigt. Die Forscher analysierten dafür Gesundheitsdaten von 18 Studien aus der US National Library of Medicine. Alle ausgewerteten Studien bestätigen eindeutig, dass Biotin das Haar- und Nagelwachstum anregen kann und zu einer sichtbaren Verbesserung des Hautbilds führt.

Die Studienautoren erklären jedoch, dass die Deformierung der Finger- oder Fußnägel sowie der schlechte Haarwuchs und die Hautveränderungen der Probanden, der von ihnen ausgewerteten Studien in allen Fällen durch Vorerkrankungen ausgelöst wurden. Ob Biotin auch bei gesunden Personen die beobachteten Wirkungen zeigt, kann die Studie daher nicht vollumfänglich beantworten.

Studie über Biotin gegen Multiple Sklerose (MS)

Laut einer 2016 im Multiple Sclerosis Journal publizierten Studie zeigt hoch dosiertes Biotin Potenzial zum Einsatz in der Behandlung von Multiple Sklerose (MS) Patienten. In der doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie mit 154 Probanden erhielt eine Gruppe MD1003, ein Medikament mit hochdosiertem Biotin. Das Medikament führte bei 12,6 Prozent dieser Gruppe zu einer deutlichen Verbesserung der EDSS-Werte (expanded disability status scale), die den Grad der Behinderung bei MS-Patienten angeben. Nebenwirkungen konnten durch die hohe Biotindosis nicht beobachtet werden.

Aufgrund der geringen Quote von „nur“ 12,6 Prozent der Probanden, bei denen MD1003 die erhoffte Wirkung zeigte, erklärten die Wissenschaftler, dass weitere Studien herausfinden sollen, welche Kriterien bei MS-Patienten nötig sind, damit eine Behandlung mit Biotin die EDSS-Werte verbessern kann. Grundsätzlich belegen die Studienergebnisse laut den Wissenschaftlern aber deutlich, dass sich hochdosiertes Biotin zur Behandlung von MS eignet.

Studie über Biotin in der Diabetes Typ 2 Behandlung              

Eine 2015 von der US National Library of Medicine veröffentlichte Studie hat die Wirkung von niedrig- und hochdosiertem Biotin auf den Blutzuckerspiegel bei Diabetes Typ 2 untersucht. Die Wissenschaftler nutzten dafür 90 Ratten, denen unterschiedliche Biotinmengen verabreicht wurden:

  • Niedrige Dosis (0,6 mg Biotin pro Kilogramm Körpergewicht)
  • Mittlere Dosis (3,0 mg Biotin pro Kilogramm Körpergewicht)
  • Hohe Dosis (6,0 mg Biotin pro Kilogramm Körpergewicht)

Nach zwei Monaten wurde den Tieren 25 mg Streptozocin (STZ) pro Kilogramm Körpergewicht injiziert, um so künstlich eine Diabetes Typ 2 Erkrankung auszulösen. Anschließend kontrollierten die Wissenschaftler nach zehn Wochen den Blutzucker- und Insulinspiegel sowie die Leberwerte der Tiere. Es zeigte sich dabei, dass das hoch dosierte Biotin im Vergleich zu den anderen Gruppen den Blutzuckerwert signifikant reduzieren konnte.

Studien, die in den Fachmagazinen Disease Management und American Journal of Clinical Nutrition erschienen sind, bestätigen ähnliche Effekte auch beim Menschen. Laut der aktuellen Studienlage kann eine konventionelle Diabetes Typ 2 Behandlung in Ansprache mit einem Arzt daher oft durch biotinhaltige Nahrungsergänzungsmittel ergänzt aber nicht ersetzt werden.

Studie über Biotin und Stoffwechselprozesse

Wissenschaftler der Tohoku University haben sich mit den Auswirkungen von Biotinmangel auf den Stoffwechsel und Allergien beschäftigt. Laut der im Canadian Journal of Physiology and Pharmacology erschienenen Studie kann Biotin bei Mäusen Metallallergie unterdrücken. In der Medizin entstand durch die Studienergebnisse eine Diskussion über die Behandlung von immunologischen Reaktionen und Entzündungen durch Biotin. Aussagekräftige Studien mit menschlichen Probanden stehen hierzu noch aus.

Tagesbedarf an Biotin

Bisher existieren keine aussagekräftigen Studien zum tatsächlichen Biotinbedarf des Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) konnte deshalb bisher nur Schätzwerte veröffentlichen, von denen bekannt ist, dass ernährungsabhängige Mangelerscheinungen bei diesen Verzehrmengen nicht auftreten.

  • Säuglinge bis 4 Monate 5 µg/Tag
  • Säuglinge 4 – 12 Monate 5 – 10 µg/Tag
  • Kinder 1 – 7 Jahre 10 – 15 µg/Tag
  • Kinder 7 – 10 Jahre 15 – 20 µg/ Tag
  • Kinder 10 – 13 Jahre 20 – 30 µg/Tag
  • Kinder 13 – 15 Jahre 25 – 35 µg/Tag
  • ab 15 Jahren 30 – 60 µg/Tag
  • Schwangere 30 – 60 µg/Tag
  • Stillende 30 – 60 µg/Tag

Überdosierung und Nebenwirkungen von Biotin

Die bisherige Studienlage und die Erfahrungsberichte von Menschen, die aufgrund von Mangelerscheinungen Biotin supplementieren, bestätigen, dass auch eine langfristige Biotinzufuhr keine Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen auslöst. Selbst 200 mg Biotin pro Tag, also mehr als das Dreifache der Verzehrempfehlung der DGE, führten als therapeutische Gabe zu keinen gesundheitlichen Problemen.

Eine Obergrenze für die Biotinzufuhr, die durch Nahrungsergänzungsmittel oder herkömmliche Lebensmittel gebrochen werden könnte, ist daher nicht bekannt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt als vorbeugende Sicherheitsmaßnahme dennoch, eine Tagesdosis von 180 mg Biotin nicht zu überschreiten.

Biotin kann Laborwerte verfälschen

Obwohl eine Überdosierung mit Biotin durch Nahrungsergänzungsmittel sehr unwahrscheinlich ist, sollte der behandelnde Arzt bei Laboruntersuchungen über die Einnahme informiert werden. Biotin kann unter anderem die Werte für das Schilddrüsenhormon TSH oder den Eiweißkomplex Troponin verfälschen und so zu Diagnosen führen, deren Folge verspätete oder falsche Behandlungen sind.

Biotinmangel

In Deutschland ist ein Biotinmangel selten, weil die typischen Lebensmittel eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin sicherstellen. Bei bestimmten Personengruppen kann es aber aufgrund eines deutlich erhöhten Biotinbedarfs leichter zu Mangelerscheinungen kommen.

Personengruppen mit hohem Biotinbedarf

Raucher –Die starke Suchtwirkung in von Nikotin ist bereits seit langem bekannt. Neue Studien haben nun darüber hinaus belegt, dass Nikotin den Biotonbedarf signifikant steigert. Raucher sollten deshalb verstärkt besonders biotinhaltige Lebensmittel essen oder Nahrungsergänzungsmittel nutzen.

Personen, die rohes Hühnereiweiß essen – Rohes Hühnereiweiß wird in Deutschland zwar kaum verzehrt, Personengruppen, wie zum Beispiel Bodybuilder, die größere Mengen Eiklar essen, sollten zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen aber Nahrungsergänzungsmittel mit einer hohen Biotindosis nutzen. Dies liegt daran, dass Biotin im rohen Hühnereiweiß an Avidin gebunden ist und so nicht vom menschlichen Stoffwechsel aufgenommen werden kann. Bei erhitzten Eiern wird diese Bindung zerstört und der Mensch kann das in den Eiern enthaltene Biotin nutzen.

Säuglinge – Muttermilch enthält nur 4 µg Biotin pro Liter. Säuglinge, die keine Beikost erhalten, sollten daher nach ärztlicher Absprache mit zusätzlichem Biotin versorgt werden. Auch für stillende Mütter ist ein biotinhaltiges Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll.

Alkoholiker – Personen, die aufgrund ihres hohen Alkoholkonsums unter ein Leberzirrhose leiden, haben einen erhöhten Biotinbedarf, der oft nicht über die Ernährung gedeckt werden kann. Supplemente sind daher sinnvoll, um durch Biotonmangel verursachte Gesundheitsprobleme zu vermeiden.

Fettleibige Menschen – Menschen mit einer Fettleber (Steatosis hepatis) leiden ebenfalls häufig unter Biotinmangel und sollten daher Zusatzpräparate mit Biotin regelmäßig einnehmen.

Menschen mit Erbkrankheiten – Angeborene Gendefekte, zum Beispiel des Enzyms Biotinidase, können dazu führen, dass ein Großteil des in der Nahrung enthaltenen Biotins nicht vom Körper aufgenommen wird, sondern über den Urin den Körper verlässt. Eine Biotonsupplementierung während des gesamten Lebens ist für diese Personen essenziell.

Symptome bei Biotinmangel

Die Symptome bei einem Biotonmangel sind nicht bei allen Betroffenen identisch. Typisch sind bei einem starken Mangel zum Beispiel:

  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Entzündungen der Haut (seborrhoisches Ekzem)
  • Sensibilitätsstörungen der Haut (Missempfindungen)
  • Muskelschmerzen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Schlechte Stimmung bis hin zu Depressionen
  • Herzprobleme
  • Entzündungen der Zunge (Glossitis)
  • Mundwinkelrhagaden
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Haarausfall
  • hohe Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie)
  • brüchige Nägel
  • Blutarmut (Anämie)

Ob die Symptome tatsächlich von einem Biotinmangel ausgelöst werden oder ob andere Ursachen vorliegen, kann nur anhand einer Urin- oder Blutuntersucht festgestellt werden. Sobald der Biotinmangel ärztlich bestätigt wurde, kann dieser bei leichten Fällen durch eine gezielte Ernährung mit biotinhaltigen Lebensmitteln beseitigt werden. Bei einem schweren Biotinmangel ist hingegen ein Nahrungsergänzungsmittel oft die bessere Wahl. Viele Symptome verschwinden so innerhalb weniger Tage, brüchige Nägel und andere Probleme können mitunter aber auch eine mehrmonatige Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B7 benötigen.

Versorgung mit Biotin

In Deutschland versorgt die normale Ernährung fast alle Personengruppen mit ausreichend Biotin. Mangelerscheinungen lassen sich mit speziellem Lebensmittel und in schweren Fällen mit Nahrungsergänzungsmitteln bekämpfen.

Lebensmittel mit Biotin

Die Versorgung mit Biotin kann sowohl über tierische als auch pflanzliche Lebensmittel erfolgen. Besonders viel Biotin enthalten:

  • Sojabohnen (60 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Erdnüsse (34 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Hefe (33 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Schweineleber (27 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Ei (25 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Haferflocken (20 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)

Alternative Lebensmittel zur Biotin-Versorgung sind:

  • Lachs (7,40 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Spinat (6,90 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Möhren (5 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)
  • Tomate (4 µg Biotin pro 100 g Lebensmittel)

Darmbakterien produzieren Biotin

Die natürliche Darmflora des Menschen erzeugt ebenfalls Vitamin H. Es ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt, ob der Mensch dieses Biotin auch absorbieren kann. Tierversuche, die belegen, dass das Biotin durch die Darmwand aufgenommen wird, sind allerdings starke Indizien dafür, dass auch der Mensch einen Teil des Biotinbedarfs so decken kann.

Vitamin B7 als Nahrungsergänzungsmittel

Menschen, die an einem Vitamin B7 Mangel leiden, können auf eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Üblich sind Tabletten, Kapseln, Pulver und Tropfen, die ohne Rezept in der Apotheke oder in Drogeriemärkten erhältlich sind. Aufgrund der einfachen Einnahme und der guten Dosierbarkeit sind besonders Tabletten beliebt. Neben speziellen Biotinmitteln erhalten auch die meisten Vitaminkomplexe ausreichend viel Biotin, um den Tagesbedarf zu decken.

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